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Studie "Kirche in Vielfalt leiten"

Gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut führen wir die Studie "Kirche in Vielfalt leiten" durch.

Ausgangssituation & Ziel

Seit 25 Jahren ist es das erklärte Ziel der evangelischen Kirche, die biblische Verheißung der Gemeinschaft von Frauen und Männern als Partnerschaft von Gleichen in der kirchlichen Wirklichkeit abzubilden. Auch viele landeskirchliche Synoden setzen in dieser Zeit starke Impulse für die geschlechtergerechte Gestaltung kirchlicher Strukturen. In einigen Bereichen des kirchlichen Lebens, beispielsweise im Bereich des ehrenamtlichen Engagements, sind Frauen sogar deutlich stärker vertreten als Männer. Auf der anderen Seite gibt es Ämter, die trotz der Bemühungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie bisher nur seltener von Frauen übernommen werden.

Dies betrifft am deutlichsten Funktionen auf der sogenannten mittleren Leitungsebene der Kirche. So waren im Jahr 2013 nur rund 21 Prozent der Superintendenturen/ Dekanate mit Frauen besetzt. Es gelingt derzeit noch nicht ausreichend, Potenzialträgerinnen für die Übernahme dieser kirchlichen Leitungsaufgaben zu gewinnen. Untersuchungen zeigen, dass dieser, auch außerhalb der Kirche bekannten Herausforderung nicht alleine durch Maßnahmen zur Erhöhung der Vereinbarkeit oder Mentoringangebote begegnet werden kann. Vielmehr liegen die Gründe für die mitunter geringere Bewerbungsbereitschaft von Frauen um Leitungspositionen in der Organisationskultur der jeweiligen Einrichtung begründet. Somit muss auch die ganz individuelle Organisationskultur mit all den in ihr inbegriffenen Zielen, Werten, Normen und Verhaltensweisen zum Ansatzpunkt für Veränderungen gemacht werden. Gelingt ein kultureller Wandel, der Vielfalt allgemein nicht nur zulässt, sondern als Mehrwert für die Kirche wertschätzt, können die Bedarfe vielfältiger Menschen Berücksichtigung finden und somit die Übernahme von Leitungsfunktionen erleichtert werden.

Aus diesem Grund hat die 11. Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland auf ihrer 7. Tagung um eine Analyse der Kulturen und Anforderungsprofile auf mittlerer Leitungsebene gebeten. Aus dieser Studie sollen u.a. Ansatzpunkte zur Erhöhung des Frauenanteils auf der mittleren Leitungsebene abgeleitet werden. Ziel ist es, Frauen und Männern gleichermaßen zu ermöglichen, Führungsverantwortung zu übernehmen. An dieser Stelle setzt das Projekt an, das gemeinsam vom Studienzentrum der EKD für Genderfragen und dem Fraunhofer Center for Responsible Research and Innovation durchgeführt wird. Ziel ist es,

  • die fördernden und hemmenden organisationskulturellen Einflussfaktoren auf die Zahl der Frauen in kirchlichen Leitungspositionen zu identifizieren,
  • daraus Handlungsempfehlungen zur Erhöhung des Frauenanteils abzuleiten,
  • Empfehlungen zur Weiterentwicklung bestehender Maßnahmen und Aktivitäten der Landeskirchen zu erarbeiten
  • und eine Veränderung der Organisationskultur anzustoßen, um die Potenziale vielfältiger Menschen für die Arbeit der Kirche zu nutzen.

Vorgehen

Für die Analyse werden exemplarisch mindestens drei Gliedkirchen der EKD ausgewählt. In einem ersten Schritt wird der Status quo sowie die gegenwärtigen Bemühungen um die Gewinnung von Frauen für mittlere Leitungspositionen analysiert. Dazu werden unter anderem Expert-/innen-Interviews mit den Themen- und Umsetzungsverantwortlichen geführt.

Im Mittelpunkt der Organisationskulturanalyse steht die Befragung von Beschäftigten der beteiligten Landeskirchen. Dabei werden leitfadengestützte, teilstandardisierte Einzelinterviews mit einer Auswahl Superintendent/-innen, ehrenamtlichen KSV/DSV-Vorsitzenden, mit Oberkirchenrät/-innen sowie mit potenziellen Bewerberinnen geführt (9-12 Interviews pro Landeskirche). Fraunhofer legt dabei größten Wert darauf, die Vertraulichkeit der Gespräche sicherzustellen, indem Inhalte nur in anonymisierter Form dokumentiert und präsentiert werden.

Aus der Analyse werden Empfehlungen zur Erhöhung des Frauenanteils in Leitungspositionen abgeleitet. Die Handlungsempfehlungen werden zusammen mit dem Studienzentrum für Genderfragen weiterentwickelt, innerhalb der Kirche diskutiert und deren Umsetzung angestoßen.

Fraunhofer CeRRI

Das Projekt wird durch Wissenschaftler/-innen des Fraunhofer CeRRI in Kooperation mit dem Studienzentrum der EKD für Genderfragen durchgeführt. Das Kompetenzfeld Diversity in Organisationen des CeRRI analysiert und berät wissenschaftlich fundiert, wie Organisationen mehr Vielfalt erreichen und deren Vorteile für ihre Arbeit nutzen können.

Welche Führungskultur und welche Führungskompetenzen sind in Zukunft erfolgsversprechend? Wie lassen sie sich gewinnbringend in Organisationen implementieren? Wie kann das Potenzial der Vielfalt für die Organisation nutzbar gemacht werden? Und welche Formen der Arbeitsorganisation sind hierfür passend? Bei der Beantwortung dieser Fragen steht die Analyse der spezifischen Organisationskultur im Mittelpunkt, um organisationskulturelle Veränderungsprozesse anzustoßen und erfolgreich zu begleiten.

Im Vordergrund stehen für uns individuelle, passgenaue wissenschaftliche Analysen und darauf basierende Handlungsempfehlungen. Dabei greifen wir auf klassische Instrumente der Sozialwissenschaften wie qualitative Leitfadeninterviews, Dokumentenanalysen oder Fokusgruppengespräche zurück. Das multidisziplinäre Team des Kompetenzfelds bringt seine Expertise in den Bereichen Organisations- und Führungskultur, Kulturwandel, Diversity, Karrierewege und Methoden der empirischen Sozialforschung in das Projekt mit ein.

Für Fragen zum Projekt stehen wir Ihnen selbstverständlich gerne zur Verfügung:

PD Dr. Jantine Nierop
Studienzentrum der EKD für
Genderfragen in Kirche und Theologie
Tel: 0511/55474136

jantine.nierop@sfg.ekd.de


Prof. Dr. Martina Schraudner
Leitung des Fraunhofer CeRRI
Tel: + 49 (0) 30 / 680 796 90

martina.schraudner@zv.fraunhofer.de


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Publikationsdatum dieser Seite: Dienstag, 14. November 2017 12:07