Frauenmahl

Frauenmahl

Eine Initiative des Studienzentrums

Statt Orgelmusik und Kirchenbänken gibt es festlich gedeckte Tische und leise Musik von Saxophon und Klavier in der Kirche. Statt einer Predigt stehen Tischreden auf dem Programm und dazu gibt es kein Abendmahl bestehend aus Oblate und einem Schluck aus dem Kelch, sondern ein festliches Fünf-Gänge-Menü. Am Eingang bekommt jede Frau ein Namensschild, damit das gegenseitige Kennenlernen leichter wird - denn Gespräche sind ausdrücklich erwünscht beim Frauenmahl.

Sie sind Veranstaltungen im Rahmen der Initiative "Frauenmahl" mit "Tischreden zur Zukunft von Kirche und Religion". Die Idee zum Frauenmahl entstand Ende 2010 in einer Marburger Weinstube. Eine der Mitbegründerinnen war Professorin Ulrike Wagner-Rau. Sie erinnert sich noch gut an diesen Abend. "Im Oktober 2011 sollte in Marburg die Erinnerung an das Marburger Religionsgespräch zum Verständnis des Abendmahls von 1529 ein Schwerpunktthema der Reformationsdekade werden. Die Kirche hatte die Frauen der Theologischen Fakultät und des damaligen Frauenstudien- und bildungszentrums (FSBZ) angefragt, ob wir eine Veranstaltung aus der Perspektive von Frauen dazu beitragen wollten." So setzte sich Ulrike Wagner-Rau mit Christl Maier und Claudia Janssen zusammen, um über die Anfrage nachzudenken. "Aus einem eher zögerlichen Beginn hat sich das Gespräch dann sehr inspirierend weiter entwickelt. Aus unserem lockeren Brainstorming über Luther, Abendmahl und die Anliegen von Frauen in der Gegenwart war plötzlich die Idee geboren", sagt Ulrike Wagner-Rau.

Das erste Frauenmahl fand dann im Fürstensaal des Marburger Schlosses statt und wurde ein großer Erfolg. 150 Frauen folgten der Einladung des Vorbereitungsteams. Mittlerweile gab es an vielen Orten in Deutschland und in anderen europäischen Ländern mehr als 100 Frauenmahle. "Dass das Frauenmahl ein Format wird, das so eine große Resonanz findet, haben wir so nicht vorausgesehen. Aber das ist natürlich toll", findet Ulrike Wagner-Rau. Koordiniert wurde die Initiative vom FSBZ, seit 2013 hat das Studienzentrum der EKD für Genderfragen in Kirche und Theologie diese Aufgabe übernommen.

Kurz nach dem ersten Frauenmahl in Marburg wurde dann auch Katrin Wallrabe, Gleichstellungsbeauftragte in der Ev.-Luth. Landeskirche Sachsens, auf das Format aufmerksam. Sie hat seitdem viele dieser Veranstaltungen erlebt und mit vorbereitet und ist noch immer begeistert: "Das Besondere an den Frauenmahlen ist für mich das grenzüberschreitende Format und die Vielfältigkeit der Gestaltungsmöglichkeiten. Ich sehe die Mischung aus interessanten Personen, historischen, schönen Orten und geistige, geistliche und sinnliche Impulse als geniales Zusammenspiel." Zudem machen Katrin Wallrabe die Vorbereitungen der Veranstaltungen viel Freude: "Die Vorbereitungsgruppen sind spannend und vielversprechend, da ich die unterschiedlichsten Institutionen an den Tisch hole - wie kommunale Gleichstellungsbeauftragte, Museen, Kulturverantwortliche, Kirchgemeinden oder auch ökumenische Partnerinnen, Universtäten oder Ortsvereine."

Im Mittelpunkt der Frauenmahle stehen die Reden von Frauen aus Politik, Kirchen, Medien, Wirtschaft, universitärer Theologie und anderen Religionsgemeinschaften. Die Reden richten sich nicht ausschließlich an Frauen - auch Männer sind bei vielen Veranstaltungen herzlich willkommen. An vielen Orten stehen die Themen der Reformationsdekade auf dem Programm und werden aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Bei den Reden spielt die Zukunft von Kirche und Religion eine zentrale Rolle.

In Hannover fand das Frauenmahl bereits zwei Mal in der Marktkirche statt. Pastorin Hanna Kreisel-Liebermann fasst das Besondere an den Veranstaltungen zusammen: "Es ist toll, dass Frauen sich Zeit nehmen, ein festliches Mahl genießen und sich gehaltvolle, inspirierende Redebeiträge und Musik auf hohem Niveau gönnen und dann gestärkt durch das Mahl, geistliche und geistige Nahrung Weg sind - jede für sich und gemeinsam auf dem Weg für Gerechtigkeit und Frieden weitergehen."


(c) 2017 Studienzentrum der EKD für Genderfragen | Datenschutz | Sitemap
Publikationsdatum dieser Seite: 2017-12-07