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Lutheraner in Lettland schaffen Frauenordination ab

Frauen ist die Möglichkeit, als Pfarrerin in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Lettlands zu arbeiten, ab sofort verwehrt. Die Synode der Kirche beschloss in Riga mit einer Dreiviertel-Mehrheit die Abschaffung der Frauenordination. Bereits seit 1993 wurde keine Frau mehr ins Pfarramt ordiniert. Leitende Geistliche aus Deutschland zeigen sich entsetzt über diese Entscheidung. 

Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm sagte, die größte Leidtragende dieses Beschlusses sei die lettische Kirche selbst, "weil sie sich eines großen Reichtums der Frauen mit ihren Erfahrungen beraubt". Die EKD habe "wunderbare Erfahrungen" mit Frauen im Pfarramt gemacht und wolle diese nicht mehr missen.

Auch der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Gerhard Ulrich (Schwerin), bezog Stellung zu dieser Entscheidung. "Den Beschluss der Synode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Lettland (ELKL), die Ordination von Frauen in das Pfarramt abzuschaffen, nehme ich mit tiefem Bedauern und - ich muss es so
deutlich sagen - mit Unverständnis entgegen", sagte Ulrich. "Gerade für Lutheraner in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) kann es in geistlicher Hinsicht einen Unterschied zwischen Mann und Frau nicht geben. Alle Christen sind gleich und in gleicher Weise durch die Taufe zu Gliedern der Kirche und zur Priesterschaft berufen: "Was aus der Taufe gekrochen ist, das darf sich rühmen, dass es schon zu Priester, Bischof und Papst geweiht sei", so Luther in seiner Schrift "An den christlichen Adel deutscher Nation".

Petra Bosse-Huber, Vizepräsidentin des Kirchenamtes der EKD und Leiterin der Hauptabteilung Ökumene und Auslandsarbeit, hat Ihre Bestürzung in einem ausführlichen Statement zum Ausdruck gebracht. Darin heißt es: "Dass Frauen in das geistliche Amt ordiniert werden und als Pastorinnen wirken, ist heutzutage in allen Kirchen der EKD Normalität. Dafür gibt es gute biblische Gründe in Treue zum Evangelium. Die einende Mitte der Bibel ist Gottes heilvolle Zuwendung zu allen Menschen in Jesus Christus. Von dieser Mitte der Schrift her sind die biblischen Aussagen zum Verhältnis von Mann und Frau zu verstehen."

Vor der Entscheidung gab es bereits Proteste aus der Nordkirche und der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers.

Auch in Lettland gibt es Unverständnis angesichts der Entscheidung der Synode. So hat die Kreuzkirchengemeinde Liepaja  in einer Gemeindevollsammlung den Austritt aus der Ev. Luth. Kirche Lettlands und gleichzeitig den  Eintritt in die Lettische Auslandskirche beschlossen. In der Lettischen Auslandskirche ist die Ordination von Frauen möglich.

 

Zum Statement von Bischöfin Petra Bosse-Huber

Zur Pressemitteilung der VELKD

Aktuelle Informationen des Lutherischen Weltbundes zur Frauenordination (englisch)

Informationen des Konvents Evangelischer Theologinnen zur Frauenordination weltweit

Pressemitteilung der Evangelischen Frauen in Deutschland (EFiD)

 


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Publikationsdatum dieser Seite: Donnerstag, 7. März 2019 11:27